Was gibt's Neues in der Energiewende?
Spotmarktpreise, Negativpreise und neue Chancen für unsere Stromversorgung
Hören, statt Lesen? 👇🏼
Strompreise wie beim Sommerschlussverkauf? Klingt verrückt – ist aber Realität! Immer öfter lesen wir von negativen Strompreisen und fragen uns: Wie kann Strom weniger als kostenlos sein? Wer bekommt da eigentlich Geld – und was bedeutet das für uns als Stromkunden? Zeit, etwas Licht ins Dunkel zu bringen – oder besser gesagt: in den Strommarkt.
Was sind überhaupt Spotmarktpreise?
An der Strombörse wird Energie nicht einfach einmal täglich gehandelt. Der sogenannte „Spotmarkt“ unterteilt das ganze Jahr in Viertelstundenabschnitte. Das ergibt rund 35.000 einzelne Zeitfenster – für jedes wird ein eigener Preis bestimmt.
Dieser Preis ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage:
Je mehr Strom angeboten wird (z. B. durch viel Wind oder Sonne) und je geringer gleichzeitig die Nachfrage ist (z. B. an sonnigen Wochenenden, wenn die Industrie ruht), desto stärker sinkt der Preis.
Was an der Börse selbstverständlich ist – schwankende Kurse – gilt auch am Strommarkt. Nur, dass es hier eben nicht nur billig, sondern auch negativ werden kann.
Warum gibt es negative Strompreise?
Negative Strompreise entstehen, wenn zu viel Strom im Netz ist, aber niemand da ist, der ihn braucht. Klassische Situationen sind z.B.:
- Sonniger Sonntag im Frühling oder Sommer
- Viel Wind, aber wenig Industriebedarf (z. B. an Feiertagen)
- PV- und Windanlagen liefern konstant, während der Verbrauch niedrig bleibt
Im klassischen Kraftwerkszeitalter konnte man Kraftwerke einfach herunterfahren. Doch erneuerbare Energien – wie Photovoltaik (PV) oder Wind – lassen sich nicht so leicht „abschalten“. Die Sonne schickt keine Rechnung, hat aber auch keine Stopp-Taste. Um trotzdem ein Gleichgewicht im Netz zu wahren, greift die Börse zu einem drastischen Mittel: der Preis fällt unter Null.
Und wie wirkt sich das auf Verbraucher aus?
Hier wird’s interessant – denn obwohl die Preise an der Börse ins Minus rutschen können, bedeutet das nicht automatisch, dass man Geld bekommt, wenn man sein Handy lädt. Warum?
Eine Stromrechnung setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:
- Börsenstrompreis (Spotmarktpreis)
- Netzentgelte
- Stromsteuer
- Konzessionsabgaben
- Umlagen und weitere Gebühren
Selbst wenn der Börsenstrompreis negativ ist, bleiben die anderen Bestandteile bestehen. Das bedeutet:
🔹 Privathaushalte: Profitieren nur in sehr seltenen Ausnahmefällen direkt von negativen Preisen.
🔹 Haushalte mit steuerbaren Geräten wie Wärmepumpen, Batteriespeichern oder intelligentem Lademanagement können in bestimmten Situationen effektiv Geld sparen oder verdienen.
🔹 Großverbraucher und Industriekunden sind bereits heute Profiteure der Preisvolatilität – sie können ihre Produktion flexibel steuern.

Was sind Ursachen für diese Preisentwicklung?
🔹 Die deutsche Energiewende
Deutschland ist – man glaubt es kaum – weltweit ein Pionier in der Umstellung auf erneuerbare Energien. Während Länder wie Frankreich stark auf Atomkraft setzen oder Norwegen auf steuerbare Wasserkraftwerke bauen kann, hängt Deutschlands Stromzukunft an Wind und Sonne.
⛔️ Das Problem: Diese Quellen sind nicht steuerbar. Wir können Wind und Sonne nicht „einschalten“, wenn wir sie brauchen – oder „ausschalten“, wenn wir genug haben.
🔹 Fehlende Flexibilität
In der alten Welt wurde die Stromerzeugung der Nachfrage angepasst. Kraftwerke wurden hoch- oder runtergefahren.
In der neuen Welt müssen wir umdenken: Jetzt muss sich die Nachfrage der Erzeugung anpassen.
🔹 Fehlende Infrastruktur
Noch haben wir zu wenige intelligente Stromzähler (Smart Meter) und zu wenige steuerbare Verbraucher im Netz. Damit entgeht uns enormes Potenzial, auf die Preissignale des Marktes flexibel zu reagieren.
Batteriespeicher: Die heimlichen Helden der Energiewende
Besonders spannend: Batteriespeicher. Sie helfen, Strom zeitlich zu verschieben – also mittags günstig laden, abends verbrauchen.
Typische Anwendung:
- Tagsüber scheint die Sonne → Speicher lädt auf.
- Abends, wenn die Sonne untergeht → gespeicherter Strom wird genutzt.
Vorteile:
- Extrem flexibel
- Schnelles Ein- und Ausschalten möglich
- Entlastung des Stromnetzes in kritischen Phasen
Große Batteriespeicher sind im Kommen – und mit ihnen neue Geschäftsmodelle.

Prosumer-Haushalte: Vom Verbraucher zum aktiven Mitgestalter der Energiewende
Der Begriff "Prosumer" beschreibt Menschen oder Haushalte, die nicht mehr nur Strom verbrauchen, sondern auch selbst erzeugen – etwa durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. In Kombination mit Batteriespeichern, Wallboxen fürs Elektroauto und smarten Steuerungssystemen werden sie zunehmend zu aktiven Teilnehmern im Strommarkt.
Was früher als technikaffine Spielerei galt, entwickelt sich heute zu einem ernstzunehmenden wirtschaftlichen Modell:
- Strom wird dann erzeugt und gespeichert, wenn er günstig oder reichlich vorhanden ist.
- Verbrauchsgeräte wie Wärmepumpen, Ladegeräte oder Haushaltsgeräte lassen sich gezielt auf Zeitfenster mit günstigen Börsenstrompreisen legen.
- Überschüssiger Strom kann ins Netz eingespeist und teilweise sogar vergütet werden.
Dadurch entsteht ein neues Rollenverständnis: Der Prosumer ist nicht mehr nur passiver Endkunde, sondern Teil des Systems, das hilft, die volatile Erzeugung aus Wind und Sonne besser ins Gleichgewicht mit der Nachfrage zu bringen.
Je weiter sich intelligente Messsysteme (Smart Meter) und flexible Tarifmodelle verbreiten, desto größer wird das Potenzial dieser dezentralen Mitspieler. Was heute in Pilotprojekten und bei technikaffinen Haushalten beginnt, könnte schon bald zum Standardmodell der Energiezukunft werden: dezentrale Erzeugung, smarter Verbrauch und wirtschaftliche Teilhabe an der Energiewende.
Und was bedeutet das für die Zukunft?
Prosumer-Haushalte sind nicht nur ein interessanter Nebeneffekt der Energiewende – sie sind ein zentrales Puzzlestück für das Stromsystem der Zukunft. Denn je mehr Strom dezentral erzeugt, gespeichert und flexibel genutzt wird, desto besser kann das Gesamtsystem auf volatile Erzeugung reagieren. Damit Prosumer ihr volles Potenzial entfalten können, braucht es jedoch geeignete Rahmenbedingungen:
Technologische Infrastruktur: Smart Meter, Energiemanagementsysteme und steuerbare Geräte müssen flächendeckend verfügbar und erschwinglich sein.
Regulatorische Anreize: Flexible Stromtarife und faire Vergütungsmodelle müssen dafür sorgen, dass sich aktive Teilnahme auch wirtschaftlich lohnt.
Nutzerfreundliche Lösungen: Nur wenn smarte Stromnutzung intuitiv funktioniert, werden breite Bevölkerungsschichten einbezogen.
Was wir aktuell erleben, ist kein Nischentrend, sondern der Beginn eines grundlegend neuen Energieverständnisses: Weg vom passiven Strombezieher, hin zum vernetzten, intelligent handelnden Energieakteur.
Fazit: Die Zukunft ist dezentral, dynamisch und eine gemeinsame Aufgabe!
Negative Strompreise, Batteriespeicher, Prosumer, Smart Meter – all das sind keine technischen Randerscheinungen, sondern die Bausteine eines neuen Energiesystems. Ein Systems, das nicht nur auf Nachhaltigkeit zielt, sondern auch auf Resilienz, Flexibilität und Beteiligung.
Was wir gerade beobachten, ist eine Transformation mit offenem Ausgang – aber mit klarer Richtung. Die Herausforderungen sind real, aber lösbar. Und die Chancen überwiegen, wenn wir sie richtig nutzen:
- Mit innovativen Technologien wie Natriumbatterien,
- mit smarter Infrastruktur in unseren Haushalten,
- und mit einem klaren politischen und wirtschaftlichen Rahmen, der diese Entwicklungen unterstützt.
Die Energiewende ist kein Ziel, das wir irgendwann erreichen – es ist ein Weg, den wir aktiv gestalten. Und je mehr Menschen Teil dieses Prozesses werden – sei es als Prosumer, als Unternehmen oder als politisch Verantwortliche, desto stabiler und gerechter wird dieses neue Energiesystem.
Am Ende steht nicht nur ein dekarbonisierter Strommarkt, sondern auch ein Stück gesellschaftlicher Selbstwirksamkeit: Wir alle können Teil der Lösung sein.
Podcast Staffel 2: "Was ist mit den Kohlen" jetzt online auf Spotify!
Es ist soweit! Die 2. Staffel unseres Podcasts ist jetzt draußen!
In der zweiten Folge ist mal wieder Head of Sales Franz Athenstaedt zu Gast.
Füße hoch, zurücklehnen, Popcorn schnappen und ganz entspannt etwas Energie-Wissen tanken. 😉